Housing First in Europa und Berlin: Studie zeigt Erfolge, Hindernisse und Lösungsansätze

Housing First in Europa und Berlin: Studie zeigt Erfolge, Hindernisse und Lösungsansätze
Datum:
Autor*in:
Corinna Müncho

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Im Dezember 2025 wurde das dreijährige Erasmus-Programm Adapting Housing First abgeschlossen. Gemeinsam mit Organisationen aus Barcelona, Dublin und Helsinki haben die Neue Chance und die Berliner Stadtmission daran geforscht, wie der Ansatz Housing First in Europa umgesetzt wird, was ihn erfolgreich macht und wie er noch stärker verbreitet werden kann. 

 Die wichtigsten Ergebnisse:

  • Housing First ist überall, wo der Ansatz professionell umgesetzt wird, überaus erfolgreich. Die besten Ergebnisse werden erzielt, wenn die Träger klar die Kernprinzipien des Originalmodells berücksichtigen, gleichzeitig aber auf bestehende lokale Ressourcen und Systeme aufbauen.
    • Ein zentraler Erfolgsfaktor ist das Personal. Die Mitarbeitenden benötigen eine stimmige Grundhaltung, die die hohe Selbstbestimmung der Teilnehmenden unterstreicht. Sie müssen ohne einen formalen „Hilfeplan“ arbeiten – dafür hochflexibel, traumasensibel und motivierend. Sie sollten in der Lage sein, die Stärken eines multiprofessionellen Teams sowohl für die Arbeit mit den Teilnehmenden als auch für die eigene Resilienz zu nutzen. 
    • Praktische Anpassungen des Modells gibt es z. B. in der Wohnraumversorgung: etwa durch Bereitstellung von Wohnraum direkt durch den Träger der Hilfe (bei Gewährleistung voller Mieter*innenrechte) oder durch mehrere Wohneinheiten an einem Standort (häufig mit vor Ort präsenten, aber immer freiwilligen Unterstützungsangeboten). Für Menschen mit besonderen und komplexen Bedarfen können solche Angebote besser zugänglich und langfristig stabilisierender sein als ein „klassisches“ Housing First mit dezentralen Wohnungen. 
    • Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum, fragmentierte Hilfesysteme und kurzfristige, projektbezogene Finanzierungen sind typische Hindernisse. Sie führen in vielen Ländern Europas dazu, dass Housing First auf dem Status modellhafter Projekte verharrt und keine hohe quantitative Wirksamkeit erreicht. 
    • Finnland bleibt daher das herausragende Beispiel, wie stark und nachhaltig Wohnungslosigkeit reduziert werden kann. Dafür wurde Housing First als nationales Leitmodell etabliert, konsequent auch über wechselnde politische Konstellationen verfolgt und mit der Y-Foundation eine Wohnraumagentur geschaffen, die seit 2008 aus staatlichen Mitteln rund 17.000 Sozialwohnungen bereitgestellt hat. 

    Die Ergebnisse wurden zum Programmende im Europäischen Parlament präsentiert. Sie zeigen den Weg, um Millionen Menschen in der EU und über 50.000 in Berlin aus der Wohnungslosigkeit zu holen. Wir fordern die Politik auf, für diesen Weg die Bedingungen zu schaffen und die Mittel zur Verfügung zu stellen. 

    Unser persönliches Fazit: Der Austausch im Programm hat uns bereichert und motiviert. Anderswo gibt es ähnliche Hürden und Herausforderungen, aber auch Dinge und Lösungen, die wir bei Housing First Berlin noch nicht ausprobiert haben. Danke an alle Partner*innen und Kolleg*innen und an Erasmus! 

    Auf der Website des Programms befinden sich der Forschungsbericht, die Aufzeichnungen der acht durchgeführten Webinare und weitere Materialien. 

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